Muratie.

Die Geschichte von Ansela van de Kaab.

Wenn Sie vor der Eingangstür von Muratie stehen, sehen Sie ein kleines, weisses Haus. Das war das erste Haus von Lourens Campher, das er für seine Familie gebaut hatte.

Ansela van de Kaab.

Bert Schwarz
reisemagazin.tv

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Daneben steht die Eiche, die seine Frau, Ansela van de Caab, pflanzte. Die Stärke und Schönheit dieses Baumes ist noch heute der Beweis der grossen, standfesten Liebe, die Lourens mit seiner Ansela verband.

Eingebettet in das exquisite Knorhoek-Tal, nördlich von Stellenbosch wurde das Muratie Weingut unter der Leitung von Rijk Melck und seiner Familie zum Zentrum engagierter Debatten. Diese drehten sich im wesentlichen um den Wunsch, die jahrhunderte alte Erfahrung des Weinmachens zu bewahren, die ein Magnet für die Weinliebhaber rund um den Globus ist.

Das Weingut selbst existiert seit 1685 als es seine Lizenz von Governor Simon van der Stel bekam, der zu der Zeit der Gouverneur am Kap der Guten Hoffnung war. Deshalb ist Muratie eines der ältesten Güter Südafrikas und bei diesem Alter ist es nicht verwunderlich, dass es viele bemerkenswerte Leute und faszinierende Geschichten gibt. Die Familie Melck hat dieses reiche Erbe in einer aktuellen und dennoch klassischen Form den Namen, die Sorten und vielfältige Charaktäre fortentwickelt. Unter historischem Aspekt ist Muratie als erster Produzent von Pinot Noir und feinenem Port bekannt geworden.

Die Geschichte von Ansela van de Caab hallt bis heute im südafrikanischen Weinland nach als eine der liebenswertesten Kapitel der Weinkultur dieses Landes...

Als das Kap der Guten Hoffnung 1652 durch Jan van Riebeeck holländische Kolonie wurde, war der internationale Sklavenhandel in vollem Gange. Mit einem neuen Hafen am südlichen Ende von Afrika kamen Menschen aus afrikanischen Ländern auch ans Kap, um dort ein Leben in Sklaverei zu führen - oder auch in anderen Ländern der Welt, die von hier aus angelaufen wurden. Anselas Geschichte beginnt mitten in dieser finsteren Zeit, als die Holländer ein portugisisches Sklavenschiff, das Sklaven an Bord hatte, die gewaltsam aus Guinea enführt worden waren.

Eine dieser Sklaven war eine Frau, die in der berüchtigten Burg am Kap gehalten wurde. Hier bekam die Frau ein Baby, ein Mädchen, das sie Ansela nannte. In dieser Zeit wurde Sklaven, die am Kap geboren wurden, immer ein christlicher Name gegeben - mit dem Nachnamen van de Kaab – holländisch für «vom Kap».

Ansela lebte als Kindersklave in der Nähe der Burg, den Kapgärten und in der Gegend um den Greenmarket Square. Jeden Abend wurden sie und hunderte anderer Sklavenkinder und Frauen in den berüchtigten Sklavenquartieren weggesperrt.

Als junge Frau dann verliebte sich Ansela in Laurens Campher, einem schneidigen deutschen Soldaten, der im Dienste der Dutch East Indian Company stand. Sie mussten natürlich ihr unerlaubtes Verhältnis geheimhalten und wagten nicht einmal von Heirat zu träumen.

Laurens aber liebte die Gegend und den Boden, denn er hatte schon immer davon geträumt, Farmer zu werden. Als also der Gouverneur des Kaps Wilhelm Adriaan van der Stel 1658 ihm ein Stück Land überschrieb, zog er auf dieses Grundstück am Fuss der Simonsberg Berge, ungefähr 40 km von Kapstadt entfernt und 6 km von Stellenbosch.

Während er sich auf sein Farmprojekt einliess, war er jedoch von der Liebe seines Lebens gefangen. Regelmässig begab er sich auf den dreitägigen Fussmarsch, um Ansela im Sklavenquartier von Kapstadt zu besuchen. Laurens und Ansela bekamen drei Kinder und Laurens einzige Wunsch war, dass seine Familie von der Sklaverei befreit war und er sie mit nach Hause nehmen durfte.

1699 wurde Ansela nach ihrer Taufe in der Kapburg aus der Sklaverei entlassen. Laurens war da, um sie und ihre gemeinsamen drei Kinder abzuholen und in ihr neuen Zuhause zu bringen: Muratie.

Auf Muratie spielt Ansela zeitlebens eine wesentliche Rolle beim Aufbau der Farm in ein erfolgreiches Unternehmens und ihre Familie konnte sich der Freiheit im Schatten Simonsberg Berge erfreuen.

Heute ist Ansela van de Caab Muraties vielfach preisgekrönter Wein zu Ehren einer der bemerkenswertesten Geschichten - und ihrer Protagonisten - in der Geschichte des südafrikanischen Weinbaus.

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