Mougins

Kleinod an der Côte d'Azur.

von Bert Schwarz

Zwischen Cannes (~6km) und Grasse (~10km), im Departement Alpes-Maritimes, liegt die Gemeinde Mougins nur wenige Kilometer vom Mittelmeer entfernt. Durch sie führt die berühmte Route Napoléon, die Cannes mit Grenoble verbindet. Mougins ist ein echter Geheimtipp, ein Kleinod, das wirklich Beachtung verdient.

Autor, Kamera, Montage : Bert Schwarz

© reisemagazin TV 2020

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Seit ihrer Gründung hat die Stadt Mougins landwirtschaftliche Bedeutung. Seit dem Mittelalter dies ein Ort, das für seine Produktion von Jasmin bekannt ist, der als Grundstoff für die Parfumeure, z.B. in Grasse dient. Mougins teilt sich in das mittelalterliuche Dorf und einen modernen Stadteil auf.

Das auf einem steilen Hügel liegende Vieux Mougins, das sich wie ein Schneckenhaus auf den Hügel hinauf schlängelt, sieht fast zu perfekt aus, um echt zu sein.

Mougins Picasso © Bert Schwarz

Picasso entdeckte das mittelalterliche Dorf 1935 mit seiner Geliebten Dora Marr und lebte hier mit seiner letzten Liebe, Jacqueline Roque, von 1961 bis zu seinem Tod 1973. Ganz viele Künstler und andere prominente Persönlichkeiten sind auch von dem Reiz Mougins verführt worden. Dazu zählen neben Picasso Cocteu, Fernand Léger, Paul Eluard, Man Ray, Winston Churchill, Christian Dior, Catherine Deneuve, Edith Piaf, Jacques Brel und viele andere mehr.

In der Altstadt, die sich zwischen die alte Stadtmauer quetscht, lebt der Geist Picassos fort: Zu Lebzeiten lud er seine Freunde nach Mougins ein, und sie alle begründeten eine Gemeinschaft von Künstlern, die hier lebten und arbeiteten. Die Gemeinschaft ist geblieben, hat überlebt und lebt in beeindruckender Weise - anders, als wir es in Le Castellet oder St. Paul de Venice vorfanden.

Mougins Kunst- und Restaurantszene © Bert Schwarz

Und Mougins ist auch eines der beliebtesten Orte zum Essen gehen in Frankreich. Unter den vielen erstklassigen Restaurants gehören die beiden Restaurants des Meisterkoches Roger Vergés Moulin de Mougins und Amandier de Mougins, wovon das erste das exklusivste und teuerste ist. Da wir beim Sammeln unserer Geschichten unabhängig bleiben wollen und unsere Rechnungen auch bezahlen, haben wir auf den Besuch der Restaurants verzichtet, denn wir fürchteten, unsere Kreditkarten würden sich beim Bezahlen auflösen. Abgesehen davon sind wir auf Arbeit dann doch so sehr «underdressed», dass auch die Abmessungen einer TV-Kamera dies nicht kompensiert.

Mougins © Bert Schwarz

Und wir hatten ja auch noch die Empfehlung unseres Obers aus dem L'Oustaou de Mouins abzuarbeiten und besuchten seinen ehemaligen Arbeitgeber im Restaurant «Rendez-vous de Mougins» und - zu unserem traditionellen letzten Abendessen - «Le Bistrot de Mougins» gegenüber, ein Haus mit Tradition.

In einem so kleinen, alten Ort sollte man vermuten, jetzt alles gesehen zu haben: die liebevoll gepflegten Häuser, die Künstler, die hier wohnen und arbeiten, die Hotels und Restaurants, die sich z.T. (neidlos) ausserhalb unseres Produktionsbudgets bewegen. Aber auch diese Vermutung trügt. Wir besuchten das Musée d'Art Classique de Mougins, in dem mehr als 800 Originalexponate aus dem alten Ägypten, Griechenland, kombiniert mit neo-klassischen und modernen Künstlern auf spannende Weise miteinander verknüpft und ausgestellt werden. Hier finden sich Namen wie Picasso, Matisse, Chagall, Cézanne, Dali, Warhol und viele mehr.

MACM © Bert Schwarz

Die Präsentation der Kunstwerke und natürlich diese selbst ziehen auch den nicht-wirklich-Wissenden dieses Metiers in seinen Bann.

Zu guter Letzt noch ein Detail, das, wie der Ort selbst, aussergewöhnlich ist: Egal auf welcher Route man den Altort ansteuert, die Strasse endet auf einem Parkplatz, denn das Dorf ist autofrei. Die nächste Überraschung ist (besonders, wenn vorher St. Paul de Vence kennengelernt wurde) : das Parken ist kostenlos. Und es fahren zwei elektrische Golfcarts herum, die den verwirrten Besucher aufsammeln und am Rand des Dorfes wieder absetzen. Und auch das kostet nix. Als darf, finde ich, das Trinkgeld für die freundlichen, jungen Leute, die einen chauffieren, etwas grosszügiger bemessen sein.

Mougins am Abend © Bert Schwarz

Fazit: wir kommen bei unserem nächsten Besuch der Region zurück, etwas besser geplant, weniger spontan und mit der Zeit versehen, die nötig ist, um allein den hier lebenden und arbeitenden Künstlern gerecht zu werden und hier noch ein paar weitere Sehenswürdigkeiten zu besuchen, für die jetzt leider keine Zeit mehr übrig war.