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Mullerthal

Echternach ... und die Sage vom «laange Veit»

von Bert Schwarz

Meine Weltreise durch Luxembourg:
Echternach ... und die Sage vom «laange Veit»

Autor : Bert Schwarz
Produziert für : reisemagazin.tv

Echternach ist die älteste Stadt des Landes, hat rd. 5.600 Einwohner und ist historisches und kulturelles Zentrum der Region Mullerthal, auch «Kleine Luxemburger Schweiz» genannt.

Der später heilig gesprochene Benediktinermönch Willibrord kam aus Northumberland und gründete hier 698 eine Benediktinerabtei auf dem Land, das die Trierer Äbtissin Irmina von Oeren, die Urururgrossmutter Karls des Grossen, dem bedeutenden und erströmischen Erzbischof Willibrord schenkte. Im Jahre 706, übertrug Irmina’s Tochter Plektrudis, die Gemahlin Pippins, den restlichen Teil der Villa Epternacus. Hieraus entwickelte sich das heutige Echternach, das sich später zu einem religiösen Zentrum des Frankenreiches und im 10. und 11. Jahrhundert zu einer künstlerisch hervorragenden Maler- und Schreiberschule entwickelte. Im Museum der Buchmalerei, die im Abteikeller untergebracht ist, kann man sich von den damaligen Leistungen beeindruckend überzeugen.

Architektur, Kultur ... und auch sportlich

Die Römer legten die Grundlage für die rund 5.600 Einwohner zählende mittelalterliche Stadt mit ihren monumentalen Bauwerken. Da ist der Römerpalast (1. bis 5. Jh.) , die auf einem römischen Kastell erbaute Pfarrkirche Peter und Paul mit ihren merowingischen, romanischen und gotischen Elementen, die nach dem ii. Weltkrieg wiedererbaute romanische Basilika (11. Jh.) mit ihrer Krypta aus dem 8. Jahrhundert, da sind die Reste der Stadtmauern und Türme, die z.T. als kleine Wohnungen hergerichtet wurden, die Abteianlage, Orangerie, der Rokokopavillon und Patrizierhäuser aus dem 18. Jahrhundert.

2008 wurde Echternach von der Europäischen Kommission zum Exzellenten Europäischen (Reise)ziel in Luxemburg ernannt. Die berühmte Springprozession, die jedes Jahr am Pfingstdienstag stattfindet, wurde 2010 von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe der Menschheit anerkannt. Aussergewöhnliche und aussergewöhnlich viele kulturelle Veranstaltungen können hier genossen werden.

Für die, die andere persönliche Präferenzen haben als Kultur, bietet Echternach mit seiner Lage in der Region Mullerthal -Kleine Luxemburger Schweiz ein grosses Angebot an Wanderwegen für die ganze Familie. Als absoluter Hit wurde uns die Wolfsschlucht genannt, die so in unsere Planung Eingang fand und die wir im Herbst besuchen wollen.

Auch für die Fahrradbegeisterten hat Echternach viel zu bieten. Die gemütlichen Radwege entlang der Sauer werden wir uns anschauen und Euch berichten.

Die Sage vom «laange Veit»

Er ist gross.

Er ist musikalisch ausserordentlich begabt.

Er zieht die Menschen in seinen Bann.

Wer ist er?

Der Laange Veit spielt auf seiner Fidel in Echternach.

Er ist charmant, hatte ein schönes Gesicht und verliebte sich in eine wunderschöne Frau. Im Jahre 719 verlassen beide Echternach mit dem Ziel Heiliges Land. 10 Jahre lang gibt es keine Nachricht von ihm.

Was ist geschehen?

Während der Reise werden sie von Sarazenen überfallen. Dabei wird seine Frau getötet.
10 Jahre später zu kommt Veit zu Ostern allein zurück. Er ist traurig. Er ist verarmt und besitzt nur noch seine Fiedel.

In der Zwischenzeit hatte sich seine Familie Veits Besitz unter sich aufgeteilt und verweigert nun die Rückgabe. Veit wird von seinen Verwandten beschuldigt, seine Frau auf der Reise umgebracht zu haben und das fränkische Gericht verurteilt ihn zu einem Zweikampf mit einem seiner Vettern.

Das Urteil wird am Pfingsmontag vollzogen und Veit verliert den Zweikampf. Am nächsten Tag, dem Pfingsdienstag, sollte er dann gehängt werden. Als letzten Wunsch bittet er dann, auf dem Weg zum Galgen seine Fiedel mitnehmen zu dürfen, und er spielt um sein Leben. Die Zuschauer sind gerührt, weinnen und beginnen, bis zur Extase zu tanzen. Veit geht durch die Menge, die ihn gar nicht wahrnimmt und verschwindet auf Nimmerwiedersehen.

Veits Verwandte sind aber zum Veitstanz verdammt und tanzen um die Leiter des Galgens ohne zu essen oder zu trinken ein Jahr lang bis ihre Knie im Boden versinken.

Willibrord hört davon und eilt zum Ort des Geschehens, dem Marktplatz. Nur er ist in der Lage, die Tänzer von ihrem Fluch zu befreien, die sich von ihren Strapazen fünf Tage lang schlafend erholen.

Die drei Hauptkläger, Veits Vettern verstarben kurz darauf und der Rest der Familie behielten ein Zittern so lange sie lebten, um immer an das erinnert zu werden, was sie Veit angetan hatten.

So weit die Sage.

Sie wurde kunstvoll von der diplomierten Grafikdesignerin, Andrée Pundel, illustriert. Die Ausstellung im historischen Gerichtsgebäude, direkt über dem alten Kerker, zeigte die Originalillustrationen der Künstlerin. Und wir hatten Gelegenheit, dass Andrée Pundel uns die Sage und die historische Situation der Stadt Echternach und des laange Veit in dieser Zeit vor der Kamera selbst erklärt.

Über die Protagonisten der Sage im geschichtlichen Kontext

Der heilige Vitus (Veit) , der im 3. Jahrhundert in Italien lebte wurde vom Römischen Kaiser Diokletian gerufen, um dessen besessenen Sohn erfolgreich zu heilen. Später starb er unter seinem Kaiser als Märtyrer. Im Mittelalter wurde der Heilige Vitus verehrt, um den Menschen zu helfen, die dem nach ihm benannten Veitstanz verfallen waren. Vitus ist u.a. der Schutzpatron der Tänzer und Schauspieler und wird als einer der 14 Nothelfer bei Krämpfen, Epilepsie und Tollwut angerufen. Bei der Tanzwut (Choreomania - lat.: Epilepsia Salatoria) handelte es sich um ein Massenphänomen, bei dem die Menschen in einem Reigentanz (Himmelsreigen der Engel und Heiligen) unkontrolliert und bis zur totalen Erschöpfung tanzten.

Während der ersten grossen Pestepedemie in Europa (1346-1353) , mit geschätzten 25 Mio. Todesopfern, versuchten die gottesfürchtigen Menschen dem grausamen irdischen Schicksal mittels Alkohol und halluzinogenen Substanzen zu enttanzen.

Graf Karl iv. von Luxembourg, Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und König von Böhmen und Mähren, liess im Jahre 1355 die Kopfreliquie des Heiligen Vitus in den - im Bau befindlichen - Veitsdom in Prag überführen.

Die 1872 entdeckte unheilbare, erbliche Nervenkrankheit Chorea Huntington wird als Grosser oder erblicher Veitstanz bezeichnet.

Der Heilige Wilibrord, auch Apostel der Friesen genannt, wurde 658 im englischen Northumbria und starb am 7. November 739 in Epternacum, wo er in der Krypta der Basilika beigesetzt wurde.

Im Echternacher Evangelistar Kaiser Heinrichs iii. (Bremen, Folio 72v) aus dem Jahr 1045 ist eine Abbildung des Kreuzwegs mittanzenden Menschen zu sehen.

Urkundlich hingegen wurde die Springprozession erstmal im Jahre 1497 erwähnt. Sie findet am Pfingstdienstag, also an dem Tag statt, als der Laange Veit mit seinen Engelsklängen die Menschen auf dem Marktplatz von Epternacum zum Tanzen brachte und hat so wohl einen heidnischen Brauch in die christliche Symbolik übernommen.

2010 erhielt diese aussergewöhnliche Tanz mit der Aufnahme in die UNESCO-Liste der Meisterwerke des immateriellen Erbes der Menschheit eine besondere Ehrung.

Quelle: Andrée Pundel, «De laange Veit»
ISBN: 978-99959-0-364-0

Wichtige Adressen
in Echternach


Echternach-Tourism-Logo

Tourist-Info Echternach

Standort
9-10, Parvis de la Basilique
L-6486 Echternach


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